Derzeit geht man in Österreich von etwa 700.000 bis 800.000 Menschen aus, die an Osteoporose leiden. Meist sind es Frauen, aber auch Männer sind betroffen.

Aufgrund der höheren Lebenserwartung sehen Mediziner eine stetige Zunahme von Knochenbrüchen in Zusammenhang mit Osteoporose. Die volkswirtschaftlichen Folgen sind nicht nur im sozialmedizinischen Bereich verheerend. Osteoporose und dadurch verursachte Krankenhausaufenthalte stellen enorme Kosten für unser Gesundheitssystem dar. Laut einer Studie verursacht Osteoporose allein in Europa jährlich direkte Kosten in der Höhe von 31,7 Milliarden Euro. Obwohl nach einem Knochenbruch aufgrund von Osteoporose das Risiko, innerhalb eines Jahres einen neuerlichen Bruch zu erleiden, bis auf das Achtfache erhöht ist, wird häufig auf eine Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D sowie eine ­spezifische Therapie vergessen.

Wenn Knochen brechen.

Etwa jede zweite Frau über 50 erleidet zeit ihres Lebens mindestens einen durch Osteoporose bedingten Bruch. Heute spricht man von „Knochenbruch-Krankheit“ und misst dem T-Score-Wert, erfasst durch die Knochendichtemessung, nicht mehr allein jene Bedeutung wie früher zu, bestätigt Oberärztin Dr. Maya Thun, Internistin in Wien. Mehr als die Hälfte der Knochenbrüche ­ereignet sich nämlich früh, meist schon im leicht verminderten Knochendichte­bereich, einer sogenannten Osteopenie entsprechend. Besonders Brüche von Wirbelkörpern, Schenkelhals und der Speiche nahe dem Handgelenk können auf eine Osteoporose hindeuten. Deshalb sollte bei diesen Knochenbrüchen ab dem 50. Lebensjahr eine spezifische Osteoporose-Abklärung stattfinden und das Frakturrisiko ermittelt werden. Eine spezifische Anti-Osteoporose­therapie soll, wenn das Frakturrisiko erhöht ist, frühzeitig begonnen werden, um somit osteoporotisch bedingte Frakturen zu vermeiden. Zur Verlaufskontrolle der Erkrankung kann die Knochendichtemessung zur Evaluierung der Therapie-Effizienz ebenso verwendet werden.

Lifestyle-Aspekte.

Maya Thun rät ihren Patienten zum Rauchstopp und zur Reduktion von Alkohol. Dazu ist Bewegung mit Zug und Druck wichtig. Mediterrane Ernährung hat sich als positiv erwiesen, denn sie verbessert die Knochenstruktur und vermindert so das Hüftfrakturrisiko. Kaffee ist neutral, also weder gut noch schlecht für den Knochen. Vermeiden sollte man phosphatreiche Lebensmittel wie Cola und Softdrinks. Ganz wichtig sind Kalzium und Vitamin D. Von Vitamin D bekommt man meist über die Nahrung und mit der Sonne zu wenig, deshalb sollte man vor allem in den Wintermonaten in unseren Breitengraden eine Supplementierung in Erwägung ziehen. An Kalzium sollte man 1.000 Milligramm pro Tag aufnehmen. Das Problem dabei ist, dass die Kalziumaufnahme falsch eingeschätzt wird. Die Internistin hat eine kleine Stichprobe unter Kollegen gemacht und festgestellt, dass viele nur etwa 500 Milligramm Kalzium pro Tag über die Nahrung zu sich nehmen. Ein Joghurt enthält zum Beispiel nur 150 Milli­gramm Kalzium. Das ist zu wenig.  Nicht optimal ist, dass der Körper fehlendes Kalzium aus dem Knochen löst, um den Kalziumspiegel im Blut aufrechtzuerhalten. Somit wird dem Knochen Kalzium entzogen, was ihn weniger „dicht“ und poröser macht. Wer nachrechnen möchte, ob er genug ­Kalzium zu sich nimmt, kann das auf ­kalziumrechner.at tun.

Körperliche Bewegung und Sport.

Täglich körperliche Bewegung nach dem Motto „Use it or lose it“ ist essenziell. Früher wurde gesagt, man müsse die Gelenke schonen. Das gilt als überholt. Ausdauertraining in normalem Rahmen und Krafttraining sind empfehlenswert. Schnurspringen und Tai-Chi/Qigong sind als Prophylaxe zu empfehlen. Nordic Walking und Tanzen sind als Sturzprophylaxe sinnvoll. Auch die passive Bewegung in Form von therapeutischen Vibrationsplatten wie Power Plate kann sich günstig auswirken. Die Muskeln sollten immer trainiert werden, bestätigt Maya Thun: „Der Muskel ist ein endokrines Organ, das Sub­stanzen produziert, die sich positiv auf den Knochenstoffwechsel und die Knochenqualität auswirken. Das gilt für ­jedes Alter. Ältere Patienten fragen oft: ‚Zahlt sich das noch aus bei mir?‘ Die Antwort ist: ‚Auf jeden Fall!‘ Der Knochen lebt bis zum Schluss und kann immer noch modifiziert werden. Dafür ist es nie zu spät.“ Osteoporose-Management erfordert oft Energie und Engagement vom Arzt, aber es zahlt sich aus. Maya Thun wünscht sich, dass mehr Patienten, die es brauchen, eine Osteoporosebehandlung erhalten und dass die im Spital begonnene Therapie beim Hausarzt nicht wieder abgesetzt wird.

Vitamin D, das Wunderhormon? Viele positive Wirkungen werden dem Vitamin D3 zugeschrieben. Eigentlich ist es kein Vitamin, sondern wirkt als Hormon, das zahlreiche Prozesse im Körper steuert. Vitamin D3 muss durch die Nahrung aufgenommen oder durch die Sonne produziert werden. Es ist enthalten in fettem Fisch wie zum Beispiel Hering, Lachs, Makrele, Thunfisch, in Leber, Austern, Butter, Milch, Eigelb, Sprossen, Löwenzahn, Steinpilzen, Shiitake-Pilzen und Haferflocken. Da es nur in Ländern nördlich von Rom und lediglich in den Sommermonaten möglich ist, Vitamin D zu tanken, leiden viele an einer Vitamin-D3-Unterversorgung. Auch im Immunsystem hat Vitamin D3 eine steuernde Wirkung. Es fördert die Produktion bestimmter Abwehrzellen, andererseits reguliert Vitamin D3 aber auch entzünd­liche Immunreaktionen herunter. Somit fördert Vitamin D3 eine gesunde Immunantwort und verhindert, dass sich chronische Entzündungen bilden. Es wirkt vor allem bei viralen und bakteriellen Erkrankungen.

Vitamin D und Vitamin K.

Für den Knochenstoffwechsel besonders wichtig ist neben Vitamin D3 auch Vitamin K. Es wird hauptsächlich von Bakterien gebildet und kommt zum Beispiel in fermentierten Sojabohnen vor. Vitamin D und Vitamin K, vor allem K2 , sind wichtige Player für unsere Knochengesundheit. In Kombination können sie den altersbedingten Knochenabbau bremsen. In der wissenschaftlichen ­Literatur gibt es Hinweise darauf, dass zusätzlich Vitamin K2 die Mineralisa­tion der Knochen verbessere und so den Einbau von Kalzium verstärke. Darüber hinaus dürfte es die Wirkung knochenabbaumindernder Medikamente, vor allem jene der sogenannten Bisphosphonate.

OA Dr. Maya Thun, Fachärztin für Innere Medizin
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Quellenangabe

wienlive, Link: https://www.looklive.at/lifestyle/osteoporose-die-schleichende-epidemie-168974/

Autor: Christine Dominkus